Vom Aussterben bedroht
Allgemeinarzt? Hausarzt? Primärarzt? Jedenfalls ist er eine seltene Art.
Der Allgemeinarzt ist ein Allrounder. Durch seine Beobachtungsgabe lernt er zügig und wird in den meisten Dingen, die er tut, ganz gut. Er hat ein Gespür für menschliches Leid und wendet sein medizinisches Wissen an, um dieses Leid zu lindern. Ihm gelingt es oft, durch präzise Fragen und Basisuntersuchungen die richtige Diagnose zu stellen und so die Weichen für die Heilung einer Krankheit zu legen.
Der Allgemeinarzt/die Allgemeinärztin ist bescheiden. Er verdient keine Millionen, wünscht sich jedoch, für seine Arbeit adäquat belohnt zu werden. Schließlich hat er keine Mühe gescheut, seine Praxis und ihre technische Ausstattung instand zu halten, stets medizinisches Fachpersonal anwesend zu haben und es fit zu halten.
Leider ist der klassische Hausarzt immer seltener geworden. Manche behaupten sogar, er sei vom Aussterben bedroht. Etwa wie der Vaquita-Wal (Foto, Quelle: Wildlife Nomads)
Warum ist der Hausarzt/die Hausärztin vom Aussterben bedroht?
Die Gründe sind wirtschaftlich: Adäquates Geld für das hohe Gut "Arztarbeit" will hierzulande niemand bezahlen.
Derzeit bekommt ein Hausarzt in Baden-Württemberg zwischen 40 und 100 Euro pro Patient pro Quartal - egal wie oft der Patient in die Praxis kommt und egal wie oft der Hausarzt oder ein Assistent des Hausarztes den Patienten im Quartal besucht.
Ein Quartal sind 3 Monate. Dieser Betrag ist absurd. Es gibt Menschen, die für diesen Betrag noch nicht einmal den Stift in die Hand nehmen würden.
Viele Hausärzte versuchen es, den Ertrag über die Anzahl der Patienten zu steigern: 5 oder 2 Min pro Patient. Drehtürmedizin. Selbstverständlich kurzfristig möglich, aber frustrierend für alle Beteiligten: MFAs, Patienten, den Arzt selbst. Andere versuchen, sich Kosten zu teilen: eine gute Idee, die aber nicht selten zu Streit unter den Teilhabern um das wenige übrig bleibende Geld führt. Das spüren die Patienten und die MitarbeiterInnen. Auch keine Lösung.
Der Allgemeinarzt, der für seine Praxis und seine Patienten gut sorgt, benötigt adäquate Mittel, mindestens jedoch das dreifache der derzeitigen Pauschalen, um zu überleben. Der Hausarzt muss Praxismiete bezahlen, hat Personalkosten, soziale Kosten, Beraterkosten, muss funktionierende EDV & Technik vorhalten, Darlehen abbezahlen, für Versicherungen aufzukommen, Reserven bilden, Steuern bezahlen. Da helfen auch keine MVZs, denn auch diese haben Kosten zu tragen.
Die Lösung: Hausarzt-Honorar zeitnah deutlich erhöhen oder Gesundheits-System komplett umstrukturieren. Alles andere wird sehr bald sehr teuer. Vaquita, adé.
Wenn Sie der Meinung sind, dass Hausärzte in Baden-Württemberg gerettet werden sollen, dann spenden Sie bitte für die Erhaltung der vom Aussterben bedrohten Arten bei WWF: